Jeder Blick endet am Horizont.
Niemand schaut weiter.
Was dahinter ist, bleibt unbekannt
und fern.

Das Kind, das geboren wird,
tritt über den Rand des Horizontes
wie die Sonne am Morgen.
Alle Zeit der Welt war es dahinter verborgen
- jetzt ist es plötzlich da.
Niemand hat es je zuvor gesehen.

Und durchschreitet von nun an die Tage seines Lebens
wie einzelne Länder, die am Horizont enden.
Was kommt dann?
Mitunter ahnt man es, aber Ahnung ist keine Gewissheit.

Lebensjahre werden zu Kontinenten,
die wir verlassen.

Manchmal begegnet ein Du, das uns meint.
Dann ist Hoch-Zeit.
Wir überschreiten einen Horizont,
wussten nichts von jenem Land,
jenem Kontinent, den wir nun mit einem Menschen teilen.

Es ist die Straße der Liebe,
aber wieder reicht der Blick nicht weit,
keiner weiß, was die Liebe macht, was sie wirkt.
Erst, wenn Menschen weitergehen,
enthüllt es sich,
und was Zukunft war,
wird zum vertrauten Land unserer Vergangenheit.

Wie Wanderer, die gehen und gehen
und immer nur bis zum Horizont schauen
und doch erleben, das alles, was er verbarg
unter ihren Füßen beginnt zu wachsen und zu blühen

Bis eines Tages
der Horizont uns wieder verbirgt wie am Anfang.
Keiner sieht uns mehr.
Menschen bleiben zurück und schauen nur bis zum Horizont.
Niemand sah je das Land hinter dem Horizont

Bis er selbst dort war.

(Volker Willrodt)