Die Toten und die Lebenden in einer Feier zu würdigen, verlangt Liebe und Wahrhaftigkeit, Idealismus und Lebenserfahrung, weltanschauliche Freiheit und mitunter den Mut, über den Horizont zu schauen ...

... denn der Tod ist das größte Ereignis eines Menschenlebens.

Eine Trauerfeier, die dies ernst nimmt, leitet gute Trauerwege ein. Sie ist ein einmaliges Ereignis, das unvergessen bleibt. Im Angesicht des Todes geht es um mehr als nette  und schöne Worte. Wenn ein Mensch gestorben ist, wenn ein Leben endet, wenn wir Menschen vor dem Tod stehen, an der Küste des Lebens, dann reicht das nicht, dann fehlt etwas. Der Tod ist zu groß als dass man mit freundlichen Worten all das besiegeln könnte, was war und eröffnen könnte, was kommt.
Ein Trauerredner muss mehr leisten, viel mehr. Er muss sich selbst an die Grenze des Lebens wagen.
Das kann man nicht in einem Seminar lernen, das kann nur aus der Lebenserfahrung und aus den Wegen des eigenen Herzens erwachsen.
Der Beruf des Trauerredners ist Schicksal. Man kann ihn nicht ausssuchen, nicht erlernen und vor allem: man kannn ihm nicht entgehen.
Vor mir steht der Tod in seiner unfassbaren Größe - vor ihm spreche ich.

Der Verstorbene überschreitet eine Schwelle. Die Hinterbliebenen überschreiten eine Schwelle. Wer die Feier leitet muss sich wagen und ebenfalls eine Schwelle überschreiten. Sonst hat es keinen Sinn und ist nur Schande und ehrloses Profitdenken.

Die Trauerfeier gestaltet eine der größten Umbruchsituationen im Leben. Dies muss ein Trauerredner tragen können. Vordergründige Effekthascherei, die zunächst beeindruckt, darf hier keinen Raum bekommen - und bekommt es leider doch allzuoft. Darum ist die Feier wie ich sie mit meinen Worten gestalte in ihrer Form meist schlicht, in ihrem Inhalt gewichtig, in ihrer Atmosphäre feierlich und vor allem wesentlich und ehrlich.

Der Verstorbenen tritt mit seinem gesamten Leben noch einmal in die Mitte. Ich entlasse einen Menschen in all seiner Würde aus den Lebenszusammenhängen, in denen er gestanden hat. Ich eröffne den Lebenden einen guten und mitunter neuen Zugang zum Verstorbenen, zum Tod und zum Leben. Meine Worte sind ein feierlicher und einmaliger Abgesang.

Die, die bleiben, nehmen aus der Trauerfeier etwas Neues mit in ihr weiteres Leben.